Warum sind Social Media so wichtig?

Warum sind Social Media so wichtig?

Der größte Unterschied zwischen unseren eigenen Erfahrungen als Jugendliche und denen unserer Kinder ist Social Media. Wie können wir unseren Kindern dabei helfen, die sozialen Netzwerke zu ihrem Vorteil zu nutzen?

Die Dinge sind heute gar nicht so anders im Vergleich zu damals

Wenn die Social-Media-Welt bedrohlich wirkt, hilft es vielleicht, an die Zeit zu denken, in der du selbst mitten im Prozess des Erwachsenwerdens gesteckt hast.

Erinnerst du dich daran, wie sehr du es geliebt hast, mit deinen Freunden im Bus oder in der Pause zu quatschen? Oder die Stunden, in denen du das einzige Telefon der Familie besetzt hast (vermutlich im Flur) und geflüstert hast in der Hoffnung, dass deine Geheimnisse nicht mitgehört werden können?

Oder wie du damals shoppen warst und im Anschluss Stunden damit verbracht hast, deine neuen Klamotten vor dem Spiegelin deinem Zimmer anzuprobieren, um unterschiedliche Looks auszutesten? Und wie wichtig es dir war, dass deine Freunde dein neues Outfit „cool“ finden?

Mädchen, egal, in welcher Generation, lieben es, Zeit mit ihren Freundinnen zu verbringen, Geheimnisse zu teilen und über Mode und den aktuellen Schwarm zu tuscheln.

Ein Vorteil von Social Media ist die Vielzahl an Möglichkeiten für Jugendliche, sich selbst mitzuteilen, sich über andere zu informieren und Vergleiche anzustellen. Es erlaubt ihnen, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die jungen Menschen schon immer wichtig waren: ihre Geheimnisse, ihr Ruf, ihr Look und ihre Unsicherheiten. Kein Wunder, dass junge Mädchen die stärkste Nutzergruppe von Social Media sind.

Die positiven und negativen Auswirkungen von Social Media

Es gibt immer mehr Beweise für die positiven und negativen Auswirkungen von Social Media. Eine Studie der University of Georgia hat herausgefunden, dass Millionen junger Menschen täglich ihr Selbstbewusstsein stärken, während sie bei sozialen Netzwerken angemeldet sind. Ein Gefühl der Verbundenheit und der Glaube, die Kontrolle darüber zu haben, wie andere einen selbst sehen, kann einen positiven Einfluss auf das Selbstbild haben.

Im Gegensatz hierzu hat eine von der University of Michigan durchgeführte Erhebung gezeigt, dass Studenten mit narzisstischen Verhaltensmustern am häufigsten posten. Sie benutzen Social Media, um ihr Ego zu stärken und Kontrolle über die Wahrnehmung anderer zu haben – etwas, das eine gefährliche Auswirkung auf junge Mädchen haben kann.

Eine andere Studie aus Australien hat eine Verbindung zwischen der Nutzungszeit von Social Media und einem geringen Selbstbewusstsein sowie einer allgemeinen Unzufriedenheit mit dem eignen Körper hergestellt (obwohl der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung nicht erwiesen ist). In einer Umfrage mit mehr als 1.000 Mädchen im Highschool-Alter haben Wissenschaftler herausgefunden, dass Social Media auch Unterhaltungen über das Aussehen intensiviert.

Wissenschaftler der Stanford University sehen eine Verbindung zwischen einer zu hohen Nutzungszeit und der Häufigkeit negativer Gefühle und Erfahrungen, die im Zusammenhang mit den eigenen Social-Media-Kanälen stehen. Es wurde herausgefunden, dass Mädchen, die Social-Media-Multitasking betreiben, weniger sozial versiert sind und mit höherer Wahrscheinlichkeit Freunde haben, die von ihren Eltern als schlechter Einfluss bezeichnet werden.

Eltern müssen sich der Potenziale von Social Media genauso bewusst sein wie der Gefahren, die soziale Netzwerke in sich tragen. Sie sollten eher eine realistische als eine ängstliche Einstellung gegenüber den neuen Medien vertreten. Das bedeutet, richtige Fragen zu stellen, unseren Kindern dabei zu helfen, sich durch ihre sozialen Netzwerke zu navigieren, und unseren Instinkten zu trauen, wenn die Dinge in die falsche Richtung laufen.

Die Notwendigkeit einer digitalen Auszeit

FOMO („Fear of Missing Out“) bezeichnet die Angst, etwas zu verpassen, und ist für viele Jugendliche ein präsenter Bestandteil ihres Alltags. Manche checken ihre Social-Media-Accounts ununterbrochen, um immer auf dem Laufenden zu sein. 

Unabhängig davon, wie essenziell soziale Netzwerke für dein Kind zu sein scheinen, kannst und solltest du unbedingt sein Nutzungsverhalten im Auge behalten und ein paar Regeln festlegen. Halte es beispielsweise davon ab, sich noch spät am Abend einzuloggen oder sein Handy zu benutzen, nachdem es schon zu Bett gegangen ist, sodass es richtig abschalten kann und ausreichend Schlaf bekommt.

Versuche, die Bedeutung von Technologien im Leben deines Kindes zu verstehen, aber erinnere es auch an die Vorteile, zwischendurch auch mal alles auszuschalten. Warum nicht eine handyfreie Familienzeit einführen – für euch ALLE? 

Ermutige es zu anderen Offlineaktivitäten wie Hobbys, Sport und „realen Verabredungen“ mit Freunden. Das wird dein Kind daran erinnern, dass ein Gefühl der Zufriedenheit und ein Wohlfühlfaktor auch von Dingen außerhalb von Social Media kommen kann – was sein Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen stärkt.

Checkliste: wie man den negativen Auswirkungen sozialer Netzwerke aus dem Weg gehen kann
  • 1.

    Unterstütze dein Kind dabei, zu erkennen, was wirklich wichtig ist

    Erinnere es daran, dass Social Media oftmals nur einen Auszug der schönsten und besten Momente zeigt – und zwar bearbeitet und darauf ausgerichtet, Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Das wahre Leben ist nicht so  

  • 2

    Sprich mit deinem Kind über die Unterschiede zwischen echten Freunden und Freundschaften im Internet

    - Was würde ein echter Freund für dich tun?

    - Wie viele wirklich enge Freunde hast du?

    - Was hält eine Freundschaft am Laufen?

    - Was sind die Merkmale einer wahren Freundschaft?

    - Was ist der Unterschied zwischen einem Freund und einem Bekannten – und wie viele Leute, die du online kennst, gehören der ersten und nicht der zweiten Gruppe an? 

  • 3.

    Ermutige es dazu, vorsichtig mit dem zu sein, was es bei Social Media teilt

    Hilf deinem Kind zu erkennen, dass Social-Media-„Freunde“ oder -„Follower“ nicht unbedingt echte Freunde sind – darum sollten es vorsichtig bei dem sein, was es postet

  • 4.

    Priorisiere gute Freundschaften

    Sprich positiv über deine Freunde und darüber, welchen Stellenwert sie in deinem Leben einnehmen. Zeige deinem Kind, wie sehr du deine engen Freunde schätzt – ein größeres Netzwerk ist großartig, aber nicht das Gleiche wie ein enger Freundeskreis, auf den du dich verlassen kannst

  • 5.

    Prüfe regelmäßig die Sicherheitseinstellungen deines Kindes

    Überprüfe die Datenschutzeinstellungen seiner Social-Media-Profile. Erinnere es daran, weder seinen Namen noch seine Adresse, anzügliche Fotos von sich oder sonst irgendetwas zu teilen, das Fremden helfen könnte, es aufzuspüren

  • 6.

    Sprich die Langlebigkeit des Internets an

    Mache deinem Kind verständlich, dass online mit „für immer“ gleichzusetzen ist – sobald etwas online ist, ist es dort für immer; auch wenn es manchmal den Augenschein hat, es wurde gelöscht